Denkstil: Wort- oder Bilddenker?

Neben dem Lerntyp ist es auch wichtig zu erkennen, welchen Denkstil ein Kind hat, um es in der Lerntherapie möglichst gut unterstützten zu können. Hier unterscheidet man im Wesentlichen zwischen Wort- und Bilddenkern.



Natürlich gibt es hier wie bei den Lerntypen unterschiedlich starke Ausprägungen, Mischtypen usw. Und die aktuellen Erkenntnisse der Wissenschaft besagen, dass die strikte Unterteilung der Zuständigkeiten der Hirnhälften nicht mehr ganz aktuell ist, weil immer mehr Verbindungen und Vernetzungen gefunden werden.

Dennoch ist es nicht gänzlich von der Hand zu weisen, dass es Schwerpunkte gibt. Diese Theorie hilft sehr beim Verstehen der unterschiedlichen Fähigkeiten und ich nutze sie für mich zur groben Orientierung. Sie hilft mir, schneller die richtigen Methoden für meine Lerntherapie zu finden.

 

Wortdenker

Wortdenker sind Kinder, bei denen die linke Gehirnhälfte dominiert. Sie können sich mündlich und schriftlich gut ausdrücken und haben meist keine Probleme mit der Konzentration. Sie kommen mit den gängigen Lernmethoden in der Schule gut zurecht, sie denken eher logisch und können sich gut auf Details einlassen.

Diese Kinder findet man nicht oft in der Lerntherapie. Ihre Lern- und Verständnisprobleme lassen sich meist durch verstärktes Üben und/oder Nachhilfe lösen.


Bilddenker

Bilddenker sind Kinder, bei denen die rechte Gehirnhälfte dominiert. Sie denken ganzheitlicher und bildhaft, sind kreativ, emotional und können sich meist nicht so gut konzentrieren. Das führt dazu, dass sie im Schulsystem nicht gut zurechtkommen.


Bilddenker denken schneller als Wortdenker. Es geht schneller ein Bild zu sehen, als mit Worten zu beschreiben, was man sieht. Es fällt ihnen daher schwer, ihre Gedanken zu formulieren oder gar aufzuschreiben.


Bilddenker sehen anders, sie haben eine andere Art der Wahrnehmung, die bei bestimmten Tätigkeiten zur Desorientierung führen kann. Diese Desorientierung ist eine Bereicherung in kreativen Prozessen, weil sie den Blick aus allen Richtungen erlaubt. Gleichzeig ist sie aber störend bei logischen Prozessen und verwirrt die Kinder.


Probleme der Bilddenker

Bilddenker haben oft Probleme beim Lesen und (Recht-)Schreiben: sie verwechseln Buchstaben, die sich optisch ähneln (z.B. b/d, p/q), vertauschen Buchstaben (z.B. ie/ei), haben Schwierigkeiten mit Wörtern, zu denen sie kein Bild haben (z.B. nichts, der/die/das, und).


Auch bei Rechnen kann die Desorientierung zu Fehlern führen: ähnliche Ziffern werden verwechselt (z.B. 1/7, 6/9), Stellenwerte vertauscht (z.B. 15/51) und wenn es um große Zahlen geht, fehlen wieder die Bilder (z.B. Ist 576 viel? Ist es mehr/weniger als 498?)

Durch die ganzheitliche Wahrnehmung, kennen sie manchmal schon das Ergebnis einer Aufgabe, können aber nicht beschreiben, wie sie dazu gekommen sind.

 

Durch die Desorientierung fällt es Bilddenkern schwer, sich zu konzentrieren und/oder komplexe Anweisungen zu verstehen.


Im Alltag wirken sie oft „verplant“ und können nicht so gut Ordnung halten.


Bilddenker in der Lerntherapie

In meiner Lerntherapie nutze ich verschiedene Methoden, die Bilddenker unterstützen können:

 

Die Kinder können lernen, ihre Desorientierung zu steuern und wenn nötig „abzuschalten“. Dies geschieht durch Methoden wie die Ausrichtung oder die Orientierung.

 

Wenn Bilder fehlen, muss man den Kindern Bilder geben: für die Darstellung von (komplexen) Zahlen nutze ich Rechenmaterialien (z.B. Dienes, Zahlenstrahl). Einzelne Ziffern, Buchstaben und Begriffe knete ich mit den Kindern, so können diese nicht nur gesehen, sondern auch begriffen werden. Manchmal reichen auch schon kleine Skizzen zur Veranschaulichung.

 

Um die Konzentration der Kinder zu fördern, führe ich mit ihnen kleine Einheiten aus einem speziellen Training durch. Diese Routine hilft ihnen, Sicherheit zu gewinnen und sie lernen, wie man Aufgaben angeht.

 

Bei allem ist es zusätzlich wichtig, eine einfache, bildhafte Sprache zu verwenden. Aufgaben und Anweisungen dürfen nicht zu komplex sein.


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